{"id":12991,"date":"2026-07-02T05:30:00","date_gmt":"2026-07-02T03:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/07\/02\/buchvorstellung-arm-aber-sexy-stefan-wolle-ueber-berlin\/"},"modified":"2026-07-02T05:30:00","modified_gmt":"2026-07-02T03:30:00","slug":"buchvorstellung-arm-aber-sexy-stefan-wolle-ueber-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/07\/02\/buchvorstellung-arm-aber-sexy-stefan-wolle-ueber-berlin\/","title":{"rendered":"Buchvorstellung: \u201eArm aber sexy\u201c. Stefan Wolle \u00fcber Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erz\u00e4hlt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat.<\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>BUCHTIPP: <\/strong><\/p>\n<p>Stefan Wolle: \u201eArm aber sexy \u2013 Die Geschichte Berlins seit 1990\u201c, BeBra Verlag, Berlin 2026, 224 Seiten, 24 \u20ac (Hardcover mit Bildern).<\/p>\n<p>Wolles Buch beginnt mit der Silvesterparty 1989. Sieben Wochen nach dem Mauerfall sollte die Feier ein fr\u00f6hliches Happening werden, sie endete jedoch im Chaos. Menschen stiegen aufs Brandenburger Tor und besch\u00e4digten die Quadriga. Au\u00dferdem wurde auf die Konstruktion der Videowand geklettert, die daraufin zusammenbrach. Die Bilanz: ein Toter und 135 Verletzte. W\u00e4hrend die Polizei in beiden Teilen Berlins die gute Zusammenarbeit betonte, versuchten die Medien laut Wolle einen politischen Zusammenhang herzustellen. F\u00fcr den Autor steht diese Nacht sinnbildlich f\u00fcr den folgenden Wandel der Stadt \u2013 gepr\u00e4gt von Hoffnungen und sp\u00e4teren Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n<p>Wolle beschreibt die Umbruchzeit 1989\/1990 und das rasante Tempo, mit dem sich der Alltag der Menschen ver\u00e4nderte. Im Mittelpunkt stehen dabei die St\u00fcrmung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 sowie die Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR, die am 1. Juli 1990 inkraft trat. Die anf\u00e4ngliche Begeisterung \u00fcber die D-Mark wich schnell wirtschaftlichen Problemen. Durch die Umrechnung von L\u00f6hnen, Geh\u00e4ltern und Renten im Verh\u00e4ltnis eins zu eins gerieten viele Betriebe unter Druck. Entlassungen und Betriebsschlie\u00dfungen waren die Folge. Gleichzeitig ver\u00e4nderten sich die Konsumgewohnheiten in Ostdeutschland, wodurch viele Produzenten aus Industrie und Landwirtschaft auf ihren Waren sitzen blieben.<\/p>\n<p>Neben den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen r\u00fccken auch die unterschiedlichen Hausbesetzerszenen in Ost- und Westberlin in den Fokus. Dabei prallten verschiedene politische Ansichten und Erfahrungen aufeinander. Erg\u00e4nzt wird dieser Blick durch die Entwicklung der Lichtenberger Naziszene, die Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre ihren H\u00f6hepunkt erreichte.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist die politische Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung. Wolle beschreibt die Entscheidung f\u00fcr Berlin als Hauptstadt am 20. Juni 1991 und den Antrag \u201ezur Vollendung der Einheit Deutschlands\u201c. Au\u00dferdem thematisiert er die Bev\u00f6lkerungsentwicklung der Stadt sowie den gescheiterten Versuch einer L\u00e4nderfusion zwischen Berlin und Brandenburg.<\/p>\n<p>Der Autor widmet sich auch der politischen Entwicklung unter Klaus Wowereit und der damit verbundenen Neuausrichtung der Stadt. Dazu geh\u00f6ren der Abschied von den Flugh\u00e4fen Tegel und Tempelhof sowie der Bau des BER. Zudem greift Wolle die Berliner Demonstrationsgeschichte auf \u2013 von Protesten in den 1990er-Jahren bis zum Sturm auf den Reichstag 2020 und den Corona-Demonstrationen.<\/p>\n<p>Im Kapitel \u201eDer Sound der Metropole\u201c beschreibt Wolle den Wandel der Berliner Kulturszene. Er erkl\u00e4rt die Entwicklung der Clubszene, die 1990er-Jahre und Berlin als Veranstaltungsort der \u201eLoveparade\u201c. Gleichzeitig zeigt Wolle, wie sich die Stadt zunehmend zur Hauptstadt der LGTBQ-Community in Deutschland entwickelte.<\/p>\n<p>Auch gro\u00dfe Bauprojekte und Stadtentwicklungen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Dazu z\u00e4hlt der Abriss des Palasts der Republik und die Entstehung des Humboldt-Forums sowie die Proteste gegen die Abrissentscheidung. Ebenso beschreibt Wolle das Ende und den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee\/Ecke Danziger Stra\u00dfe. An dieser Stelle sollen k\u00fcnftig 550 neue Wohnungen entstehen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss zieht der Wolle, angelehnt an den alle drei Jahre erscheinenden Zukunftsatlas des \u201eHandelsblatts\u201c, eine Bilanz zu Themen wie Wohnungsmarkt, \u00d6PNV, Schule, Kriminalit\u00e4t, Tourismus und Demografie. Das Buch endet, wie es beginnt, mit einer Silvesterparty: der von 2024.<\/p>\n<p>Dem Autor gelingt es, die Leserschaft auf eine historische Reise durch 36 Jahre Berliner Stadtgeschichte mitzunehmen. Durch den klar strukturierten Aufbau wird der enorme Wandel der Stadt seit 1990 deutlich sichtbar.<\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/buchvorstellung-stefan-wolle-arm-aber-sexy\/\">Buchvorstellung: \u201eArm aber sexy\u201c. Stefan Wolle \u00fcber Berlin<\/a> erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/\">ostdeutschland.info<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank Mauerfall und Wiedervereinigung sind Ost- und Westberlin wieder miteinander verschmolzen. In seinem Buch erz\u00e4hlt der Historiker Stefan Wolle vom Wandel, den die Stadt Berlin von 1990 bis heute durchlebt hat. 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