{"id":12961,"date":"2026-04-27T05:30:00","date_gmt":"2026-04-27T03:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/04\/27\/der-osten-als-avantgarde-12-die-wirtschaftlichen-beziehungen-zwischen-ostdeutschland-und-frankreich\/"},"modified":"2026-04-27T05:30:00","modified_gmt":"2026-04-27T03:30:00","slug":"der-osten-als-avantgarde-12-die-wirtschaftlichen-beziehungen-zwischen-ostdeutschland-und-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/04\/27\/der-osten-als-avantgarde-12-die-wirtschaftlichen-beziehungen-zwischen-ostdeutschland-und-frankreich\/","title":{"rendered":"Der Osten als Avantgarde #12: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ostdeutschland und Frankreich"},"content":{"rendered":"<p>Das Netzwerk der gemeinn\u00fctzigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. In Teil zw\u00f6lf ihrer Kolumne widmet sich Dirk Schneemann, Pr\u00e4sident des Deutsch-Franz\u00f6sischen Wirtschaftskreises, dem Verh\u00e4ltnis Ostdeutschlands zu Frankreich.<\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Dirk Schneemann ist Gr\u00fcnder der Frankreich-Initiative Ostdeutschland (FIOst) sowie Gr\u00fcnder und CEO der Euraccess Gesellschaft zur Bef\u00f6rderung europ\u00e4ischer Wirtschaftskontakte mbH. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender bzw. Pr\u00e4sident des Deutsch-Franz\u00f6sischen Wirtschaftskreises (<a href=\"https:\/\/dfwk.eu\/\">DFWK<\/a>).<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Kappung und Abwicklung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen der DDR nach der Wiedervereinigung in k\u00fcrzester Zeit f\u00fchrten zu strukturellen und geografisch stark unterschiedlichen Entwicklungen in beiden Teilen Deutschlands. Die \u201e\u00fcberlebenden ehemaligen DDR-Unternehmen\u201c orientierten sich zwangsl\u00e4ufig Richtung Osteuropa und Asien, weil ihnen der westeurop\u00e4ische und amerikanische Markt weitgehend verschlossen blieben.<\/p>\n<p>Daraus ergab sich die Konsequenz, dass die EU-Pr\u00e4senz Deutschlands \u2013 politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich \u2013 fast ausnahmslos durch \u201ealte westdeutsche\u201c Strukturen wahrgenommen wurde. Dies hatte zur Folge, dass entsprechende Investitionen, Niederlassungen und Kooperationen mit ostdeutschen Unternehmen aufgrund fehlender Netzwerke eher die Ausnahme waren.<\/p>\n<p>Tiefgreifende geopolitische Ver\u00e4nderungen (Corona, Ukraine) f\u00fchrten in den letzten Jahren dazu, dass M\u00e4rkte wie Asien und Russland nahezu ausfielen. Gleichzeitig wurden innereurop\u00e4ische Beziehungen immer wichtiger. Hinzu kam die gestiegene und auch international st\u00e4rker wahrgenommene Innovationskraft der ostdeutschen L\u00e4nder. Damit ver\u00e4nderte sich auch der Fokus sowohl ostdeutscher Unternehmen als auch internationaler Investoren auf den Osten selbst.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\">Spurwechsel statt andauernder Aufholjagd<\/span><\/h2>\n<p>Somit erscheint die Frage der Vergleichbarkeit von Ost und West sowie des Aufholens des Ostens in einem anderen Licht. Es muss einerseits k\u00fcnftig st\u00e4rker um internationale Vergleichbarkeit in Schl\u00fcsseltechnologien und Branchen gehen, die ostdeutsche Unternehmen wettbewerbskonform bedienen k\u00f6nnen. Zum anderen lassen sich immer wieder fortgesetzte \u201everl\u00e4ngerte Werkb\u00e4nke westdeutscher Pr\u00e4gung\u201c durch internationale Kooperationen abl\u00f6sen. Dies betrifft auch Direktinvestitionen und nachhaltige Wertsch\u00f6pfung, deren Ergebnisse im \u201eOsten\u201c bleiben. Aufgrund der Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft braucht es den Aufbau von internationalen Netzwerken und einen neuen Fokus bei den vorhandenen F\u00f6rderstrukturen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\">FIOst verbindet Ostdeutschland und Frankreich<\/span><\/h2>\n<p>Die im Ergebnis einer von mir Ende 2022 erarbeiteten \u201eFrankreich-Strategie Neue Bundesl\u00e4nder\u201c m\u00fcndete bald mit gro\u00dfer Unterst\u00fctzung der franz\u00f6sischen Botschaft und weiteren Partnern in der \u201eFrankreich-Initiative Ostdeutschland \u2013 FIOst\u201c. Warum? Um Ostdeutschlands Potenziale f\u00fcr die europ\u00e4ische St\u00e4rkung mehr sicht- und nutzbar zu machen. Besonders in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er-Jahre war Frankreich der gr\u00f6\u00dfte Handelspartner der DDR \u2013 nach der BRD. Gleichzeitig war die DDR Frankreichs gr\u00f6\u00dfter Handelspartner im Osten \u2013 nach der Sowjetunion. Wie oben beschrieben, endeten diese beiderseitigen Beziehungen nach der Wiedervereinigung abrupt und dauerhaft. Ostdeutschland fand in den deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen \u2013 und insbesondere in der Wirtschaft \u2013 \u00fcber Jahrzehnte hinweg nicht mehr statt. Die Investition von Elf Aquitaine in die Raffinerie Leuna sollte die bislang gr\u00f6\u00dfte Einzelinvestition bleiben.<\/p>\n<p>Erst mit globalen Marktver\u00e4nderungen, der Betonung des europ\u00e4ischen Binnenmarktes und der zunehmenden Attraktivit\u00e4t ostdeutscher Standorte und Unternehmen scheint sich der Blick westeurop\u00e4ischer L\u00e4nder \u2013 und hier insbesondere Frankreichs \u2013 auf Ostdeutschland zu \u00e4ndern. Die FIOst wurde gestartet, um auf diese Potenziale aufmerksam zu machen und den Aufbau spezifisch f\u00fcr diesen Markt ausgerichteter F\u00f6rderstrukturen einzufordern. Der Weg ist m\u00fchsam, aber wiederbelebte und neu aufgebaute Regionalkooperationen zeigen, dass es geht. Bis 2023 gab es nur einen deutsch-franz\u00f6sischen Wirtschaftskreis im Osten des Landes \u2013 den DFWK Berlin-Brandenburg. Die Gr\u00fcndung eines Deutsch-Franz\u00f6sischen Wirtschaftsklubs Mitteldeutschland im September 2023 bietet seitdem eine neue Austauschplattform. Wirtschaftskonferenzen finden statt und auch die MPK Ost setzt das Thema auf die Tagesordnung. Der franz\u00f6sische Botschafter, Fran\u00e7ois Delattre, und die Ostbeauftragte des Bundes, Staatsministerin Elisabeth Kaiser, haben die FIOst-Schirmherrschaft \u00fcbernommen. Langsam nehmen auch franz\u00f6sische Investitionen im Osten wieder zu, neue Industriekooperationen in Schl\u00fcsselbereichen sind im Entstehen. Dies betrifft erfreulicherweise Zukunftsbranchen wie H2, Infrastruktur, Mobilit\u00e4t, AI und andere. Aber es bedarf noch vieler gemeinsamer Anstrengungen \u2013 insbesondere intensiver Netzwerkarbeit \u00fcber Partei- und Landesgrenzen hinweg, um nachhaltige Erfolge zu sichern.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die n\u00e4chsten Live-Termine von DenkRaumOst<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.denkraumost.de\/events\">denkraumost.de\/events<\/a><\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/der-osten-als-avantgarde-12-spurwechsel-statt-andauernder-aufholjagd\/\">Der Osten als Avantgarde #12: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ostdeutschland und Frankreich<\/a> erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/\">ostdeutschland.info<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Netzwerk der gemeinn\u00fctzigen Initiative DenkRaumOst hat es sich zum Ziel gesetzt, Ostdeutschlands Charme sichtbar zu machen. 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