{"id":12943,"date":"2026-03-17T06:30:00","date_gmt":"2026-03-17T05:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/03\/17\/wirtschaft-und-markt-2-ostdeutschlands-kleinstbetriebe-verdienen-eine-chance\/"},"modified":"2026-03-17T06:30:00","modified_gmt":"2026-03-17T05:30:00","slug":"wirtschaft-und-markt-2-ostdeutschlands-kleinstbetriebe-verdienen-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2026\/03\/17\/wirtschaft-und-markt-2-ostdeutschlands-kleinstbetriebe-verdienen-eine-chance\/","title":{"rendered":"Wirtschaft und Markt #2: Ostdeutschlands Kleinstbetriebe verdienen eine Chance"},"content":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil seiner Wirtschaftskolumne widmet sich Frank Nehring den ostdeutschen Kleinstunternehmen. Sie werden von der Politik oft \u00fcbersehen, sind aber von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Volkswirtschaft.<\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Frank Nehring, langj\u00e4hriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gr\u00fcnder des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert<\/p>\n<\/div>\n<p>In der Wirtschaftspolitik spielen Kleinstunternehmen kaum eine Rolle. Sie gelten als nicht gro\u00df genug, zu wenig relevant f\u00fcr die Volkswirtschaft und angesichts der vielen individuellen Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten als zu kompliziert. Bei Steuern, B\u00fcrokratie und Regulierung werden sie aber meist so behandelt wie gro\u00dfe Unternehmen. Dabei bilden sie das R\u00fcckgrat vieler Regionen.<\/p>\n<p>Kleinstunternehmen \u2013 definiert als Betriebe mit bis zu neun Besch\u00e4ftigten und einem Jahresumsatz von maximal zwei Millionen Euro \u2013 machen in Ostdeutschland einschlie\u00dflich Berlin 86,6 Prozent aller Unternehmen aus. Das sind 558.037 von insgesamt 644.200 Unternehmen (Stand 2024\/2025).<\/p>\n<p>Trotz dieser enormen Zahl tauchen sie in den Debatten \u00fcber Unternehmensnachfolgen kaum auf. In Statistiken werden sie h\u00e4ufig gar nicht erst erfasst. Pauschal gelten sie als \u201enicht \u00fcbernahmef\u00e4hig\u201c. F\u00fcr viele Nachfolgeberater sind sie schlicht kein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftsmodell. Das ist kein Vorwurf \u2013 wirtschaftlich nachvollziehbar ist es allemal. Doch volkswirtschaftlich ist es ein Problem.<\/p>\n<p>Denn wer diese Unternehmen aus der Betrachtung ausblendet, akzeptiert stillschweigend ihr Verschwinden. Die meisten dieser Betriebe verschwinden nicht spektakul\u00e4r durch Insolvenzen. Sie schlie\u00dfen einfach. Der Inhaber wird \u00e4lter, krank oder m\u00fcde. Eine Nachfolge findet sich nicht. Also geht das Licht aus \u2013 f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Gerade im l\u00e4ndlichen Raum hat dieser Prozess l\u00e4ngst begonnen. Wenn der B\u00e4cker schlie\u00dft, die Dorfkneipe nicht mehr \u00f6ffnet, die Apotheke keinen Nachfolger findet und auch der Schlosser aufgibt, ver\u00e4ndert sich mehr als nur die lokale Wirtschaft. Es verschwindet Infrastruktur. Und mit ihr ein St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das Problem ist dabei keineswegs exklusiv ostdeutsch. Auch im Westen dominieren Kleinstunternehmen die Unternehmenslandschaft. Doch im Osten kommt eine entscheidende Besonderheit hinzu: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer geh\u00f6ren oft noch der ersten Generation nach der Wiedervereinigung an. Sie haben ihre Betriebe nach 1990 gegr\u00fcndet \u2013 zumeist ohne famili\u00e4re Unternehmertradition, ohne gewachsene Netzwerke und ohne Verm\u00f6gen im Hintergrund, das eine \u00dcbergabe erleichtern k\u00f6nnte. Erfahrungen mit Unternehmensnachfolge gibt es entsprechend selten.<\/p>\n<p>Die Folgen zeigen sich zunehmend deutlich. Wenn Betriebe schlie\u00dfen, entsteht ein Dominoeffekt: Die Infrastruktur vor Ort verschlechtert sich, die Standortattraktivit\u00e4t sinkt, junge Menschen ziehen weg, Zuzug bleibt aus. Damit schrumpft nicht nur die Bev\u00f6lkerung, sondern auch das potenzielle Reservoir an Nachfolgern. Ein Kreislauf beginnt, der ganze Regionen schw\u00e4chen kann.<\/p>\n<p>Dabei sind Kleinstunternehmen wirtschaftlich keineswegs irrelevant. In Ostdeutschland tragen sie rund 16 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Das mag auf den ersten Blick \u00fcberschaubar erscheinen. Doch ihre eigentliche Bedeutung liegt tiefer: Sie sichern Versorgung, schaffen lokale Arbeitspl\u00e4tze und stabilisieren die wirtschaftliche Struktur vieler Regionen. Mit anderen Worten: Sie sind ein entscheidender Teil regionaler Standortqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Deshalb stellt sich eine einfache Frage: Sollte die Wirtschaftspolitik diese Unternehmen nicht st\u00e4rker in den Blick nehmen? Die Antwort lautet: ja. Doch die bisherigen Instrumente der Nachfolgef\u00f6rderung passen h\u00e4ufig nicht zu dieser Unternehmensgruppe. Viele Programme orientieren sich an gr\u00f6\u00dferen Mittelst\u00e4ndlern, w\u00e4hrend Kleinstbetriebe durch das Raster fallen.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re gerade hier ein neuer Ansatz n\u00f6tig \u2013 pragmatischer, regionaler und st\u00e4rker auf die besonderen Bedingungen kleiner Betriebe zugeschnitten. Eines jedenfalls sollte klar sein: Der schleichende Verlust von Kleinstunternehmen ist kein Naturgesetz. Und er sollte auch politisch nicht als solcher hingenommen werden.<\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/wirtschaft-und-markt-2-ostdeutschlands-kleinstbetriebe-verdienen-eine-chance\/\">Wirtschaft und Markt #2: Ostdeutschlands Kleinstbetriebe verdienen eine Chance<\/a> erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/\">ostdeutschland.info<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil seiner Wirtschaftskolumne widmet sich Frank Nehring den ostdeutschen Kleinstunternehmen. Sie werden von der Politik oft \u00fcbersehen, sind aber von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Volkswirtschaft. Frank Nehring, langj\u00e4hriger Herausgeber von Wirtschaft+Markt und Gr\u00fcnder des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF. Abbildung: Bernd Brundert In der Wirtschaftspolitik spielen Kleinstunternehmen kaum eine Rolle. 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