{"id":12909,"date":"2025-12-18T07:00:00","date_gmt":"2025-12-18T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2025\/12\/18\/thuy-ngan-trin-ki-als-chance-fuer-ostdeutschland\/"},"modified":"2025-12-18T07:00:00","modified_gmt":"2025-12-18T06:00:00","slug":"thuy-ngan-trin-ki-als-chance-fuer-ostdeutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2025\/12\/18\/thuy-ngan-trin-ki-als-chance-fuer-ostdeutschland\/","title":{"rendered":"Thuy-Ngan Trin: KI als Chance f\u00fcr Ostdeutschland"},"content":{"rendered":"<p>Thuy-Ngan Trin ist in Dresden als Tochter vietnamesischer Gastarbeiter aufgewachsen. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Berliner Digitalberatung A11 pl\u00e4diert mit Blick auf ihren eigenen Werdegang f\u00fcr mehr Selbstvertrauen, Mut und Haltung im Osten, f\u00fcr mehr Machen und Vormachen \u2013 besonders beim Thema KI.<span><\/span><\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Project A, Thuy-Ngan Trin, pl\u00e4diert f\u00fcr mehr Selbstvertrauen, Mut und Haltung in Ostdeutschland. Abbildung: Project A<\/p>\n<\/div>\n<p>Es wird Zeit, Ostdeutschland neu zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ich werde oft gefragt, wie es war, in Dresden aufzuwachsen. Meine Antwort: Eine wundersch\u00f6ne Stadt, aber ich hatte leider mehrere und regelm\u00e4\u00dfige rassistische Vorf\u00e4lle, die es mir erschwert haben, Deutschland als Heimat zu verstehen. Und das, obwohl ich von meiner Geburt bis zum Abitur in Dresden aufgewachsen bin.<\/p>\n<p>Erst als ich nach Berlin gezogen bin (und ja \u2013 es gibt einen Unterschied zwischen Dresden und Berlin, denn Osten ist nicht gleich Osten), habe ich zum ersten Mal erlebt, was es hei\u00dft, wenn Herkunft keine Rolle mehr spielt. Dieser Perspektivwechsel hat damals viel in mir ausgel\u00f6st und mich auch dazu ermutigt, st\u00e4rker ins Unternehmertum zu gehen und tiefer in die Tech-Welt einzutauchen.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich: Mein Hintergrund und mein Aufwachsen in Ostdeutschland sind kein Nachteil. Im Gegenteil, sie haben mich gepr\u00e4gt und mir St\u00e4rken gegeben, die ich in meinem beruflichen Alltag st\u00e4ndig brauche. Ich werde auch h\u00e4ufig gefragt, was ich als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bei A11 eigentlich mache. A11 ist die Operations Unit von <a href=\"https:\/\/www.project-a.vc\/\">Project A<\/a>, die Unicorns wie Trade Republic und ARX Robotics innerhalb des Investmentportfolios aufgebaut hat. Kurz gesagt: Ich bewege mich jeden Tag zwischen \u201eStrategie\u201d, operativen Entscheidungen &amp; Execution und der Rolle als Br\u00fcckenbauerin zwischen Wirtschaft, Tech und Menschen. Unser Team arbeitet mit dem Mittelstand und Scale-ups daran, technologischen Fortschritt umzusetzen. Von kommerzieller Skalierung bis KI-Integration, die man dann auch wirklich in der Gewinn- und Verlustrechnung sp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Dabei treffe ich auch auf Unternehmer aus Ostdeutschland wie Robert Dahl (CEO von Karls Erdbeerhof). Diese Erfahrung hat nicht nur meine Sicht auf den Osten ver\u00e4ndert. Auch in meinem Umfeld ist ein neuer Realismus, aber auch ein neuer Wille sp\u00fcrbar. Viele jener Menschen, mit denen ich damals von Dresden nach Berlin ging, sind inzwischen bewusst zur\u00fcckgekehrt \u2013 weil sie nicht zuschauen wollen, wie diese Region populistischen Kr\u00e4ften \u00fcberlassen wird.<\/p>\n<p>Diese Erfahrungen, meine eigenen und die vieler Menschen, die den Osten verlassen und sp\u00e4ter bewusst wieder zur\u00fcckgekehrt sind, haben meinen Blick auf die Region ver\u00e4ndert. Heute sehe ich Ostdeutschland nicht nur als den Ort, an dem ich aufgewachsen bin, sondern als Raum voller Chancen. Eine Region, die sich wandelt, die umk\u00e4mpft ist, aber auch eine, in der enorm viel Potenzial steckt, wenn wir es nutzen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\">KI und Ostdeutschland \u2013 passt das?<\/span><\/h2>\n<p>Wenn wir \u00fcber Transformation in Ostdeutschland sprechen, dann kommen wir an einem Thema nicht vorbei: KI. Kaum eine Region in Deutschland hat gleichzeitig so viel industrielles Potenzial und so gro\u00dfe L\u00fccken beim digitalen Anschluss. Gerade deshalb kann KI hier mehr bewirken als anderswo. Sie schafft Chancen f\u00fcr Unternehmen, die oft kleiner, beweglicher und n\u00e4her an der realen Wertsch\u00f6pfung arbeiten und die genau jetzt Unterst\u00fctzung brauchen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.<\/p>\n<p>Deutschland befindet sich in einer Phase, in der mehrere negative Entwicklungen ineinandergreifen: eine Wirtschaft, die kaum w\u00e4chst; ein Fachkr\u00e4ftemangel, der ganze Betriebe ausbremst; ein Mittelstand, der Gefahr l\u00e4uft, den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Diese Gemengelage schafft Unsicherheit und aus Unsicherheit werden schnell \u00c4ngste. W\u00e4hrend Populisten davon profitieren, k\u00e4mpfen viele Unternehmen im Alltag darum, \u00fcberhaupt Schritt zu halten.<\/p>\n<p>Genau das treibt mich gerade sehr um. Wenn wir diese Abw\u00e4rtsspirale durchbrechen wollen, brauchen wir sp\u00fcrbare Fortschritte dort, wo unsere Wirtschaft am verletzlichsten und zugleich am st\u00e4rksten ist: im Mittelstand. Hier entscheidet sich, ob Deutschland, und besonders Ostdeutschland, innovativ wird und bleibt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich und A11 ist KI deshalb kein Buzzword, sondern ein Werkzeug, um genau diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen. Wir sehen t\u00e4glich, wie viel Potenzial brach liegt, weil KI zwar diskutiert, aber zu selten umgesetzt wird. F\u00fchrungskr\u00e4fte wissen, dass sie handeln m\u00fcssen, doch oft fehlt Orientierung, wo sie beginnen sollen.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist nicht \u201eWelche KI-Strategie verfolge ich?\u201c, sondern \u201eWie ver\u00e4ndern sich Prozesse durch KI messbar?\u201c. Erfolgreiche Unternehmen machen vor allem dort Fortschritte, wo die F\u00fchrungsebene selbst vorangeht und KI aktiv nutzt, statt sie nur zu delegieren. Akzeptanz entsteht nicht durch Berichte oder Strategiepapiere, sondern durch Vorbilder im Alltag. Gleichzeitig beginnt wirkungsvolle Transformation nicht mit dem Kauf neuer Tools, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Prozesse sind langsam, fehleranf\u00e4llig oder doppelt organisiert? Wo entstehen unn\u00f6tige Kosten und manuelle Arbeit, die automatisiert werden k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Statt gro\u00dfe Programme aufzusetzen, sollte viel eher in kurzen vier- bis achtw\u00f6chigen Sprints gearbeitet werden. So werden Ergebnisse direkt im Tagesgesch\u00e4ft getestet. Was funktioniert, wird schrittweise skaliert. Was keinen Effekt hat, wird schnell beendet. So entsteht Fortschritt nicht im Konferenzraum, sondern messbar im Betrieb.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\">W\u00fcnsche und Potenziale f\u00fcr Ostdeutschland<\/span><\/h2>\n<p>Was w\u00fcnsche ich mir f\u00fcr den Osten? Vor allem mehr Selbstvertrauen. Mehr Mut zum Wachstum und zum Unternehmertum. So spielerisch, ambitioniert und bodenst\u00e4ndig wie Karls Erdbeerhof, der aus einer einfachen Idee ein ganzes Erlebnisuniversum geschaffen hat. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir aus der Opferhaltung herauskommen, die verst\u00e4ndlich ist nach dem \u201efehlgeschlagenen\u201d Angleichungsprozess, uns aber heute nicht mehr weiterbringt. Klar ist aber auch, dass dieser Mut und dieses Wachstum nur durch Zuzug neuer Talente und Investoren m\u00f6glich sind, um ein innovatives \u00d6kosystem zu schaffen. Das hei\u00dft, ich w\u00fcnsche mir auch, dass Westdeutschland den Osten nicht aufgibt, sondern ihn aktiv gestaltet, statt nur aus weiter Entfernung darauf zu schauen.<\/p>\n<p>Denn das Potenzial ist da, und zwar deutlicher, als es von au\u00dfen oft wahrgenommen wird. Ostdeutschland vereint exzellente Forschung mit einer starken industriellen Basis: Halbleiter, E-Mobility, Batteriezellen, Wasserstoff, erneuerbare Energien sowie ein wachsendes Luft- und Raumfahrtcluster. Das sind keine Zukunftsversprechen, das sind bereits heute tragf\u00e4hige Bausteine f\u00fcr Wertsch\u00f6pfung und Innovation: In L\u00fcbbenau entsteht ein Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe, SaxoQ treibt in Sachsen-Anhalt die Entwicklung von Quantencomputing voran, neue Innovationsstandorte wachsen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig entsteht hier Kultur: dort, wo Raum und Freiheit sind. Bezahlbarer Wohnraum zieht Subkultur an, und Subkultur zieht Talente an \u2013 junge Menschen, die experimentieren, gestalten, Neues wagen. Und dann sind da die Menschen, die im Osten gro\u00df geworden sind und gelernt haben, sich durchzubei\u00dfen. Eine Qualit\u00e4t, die untersch\u00e4tzt wird, aber oft den Unterschied macht.<\/p>\n<p>Ich glaube fest daran, dass in dieser Mischung eine enorme Chance liegt: wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Ostdeutschland muss nicht aufholen, es kann vormachen, wie Transformation gelingt. Aber daf\u00fcr braucht es Mut. Haltung. Und Menschen, die bereit sind, den Raum zwischen Vergangenheit und Zukunft zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/vom-herkunftsort-zum-chancenraum-mein-blick-auf-ostdeutschland\/\">Thuy-Ngan Trin: KI als Chance f\u00fcr Ostdeutschland<\/a> erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/\">ostdeutschland.info<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thuy-Ngan Trin ist in Dresden als Tochter vietnamesischer Gastarbeiter aufgewachsen. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Berliner Digitalberatung A11 pl\u00e4diert mit Blick auf ihren eigenen Werdegang f\u00fcr mehr Selbstvertrauen, Mut und Haltung im Osten, f\u00fcr mehr Machen und Vormachen \u2013 besonders beim Thema KI. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Project A, Thuy-Ngan Trin, pl\u00e4diert f\u00fcr mehr Selbstvertrauen, Mut und Haltung in Ostdeutschland. Abbildung: Project A Es wird Zeit, Ostdeutschland neu zu erz\u00e4hlen. Ich werde oft gefragt, wie es war, in Dresden aufzuwachsen. Meine Antwort: Eine wundersch\u00f6ne Stadt, aber ich hatte leider mehrere und regelm\u00e4\u00dfige rassistische Vorf\u00e4lle, die es mir erschwert haben, Deutschland als Heimat zu verstehen. 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