{"id":12905,"date":"2025-12-15T07:00:00","date_gmt":"2025-12-15T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2025\/12\/15\/mit-der-studienstiftung-des-ostens-durch-die-glaeserne-decke-richard-kuenzel-im-interview\/"},"modified":"2025-12-15T07:00:00","modified_gmt":"2025-12-15T06:00:00","slug":"mit-der-studienstiftung-des-ostens-durch-die-glaeserne-decke-richard-kuenzel-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/havelnetz.de\/kunden\/mpw\/2025\/12\/15\/mit-der-studienstiftung-des-ostens-durch-die-glaeserne-decke-richard-kuenzel-im-interview\/","title":{"rendered":"Mit der Studienstiftung des Ostens durch die gl\u00e4serne Decke: Richard K\u00fcnzel im Interview"},"content":{"rendered":"<p>Die Basis f\u00fcr die in Gr\u00fcndung befindliche Studienstiftung des Ostens steht. 2028 sollen die ersten Stipendiaten aufgenommen werden. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Richard K\u00fcnzel.<\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Richard K\u00fcnzel wurde 1996 im Vogtland (Sachsen) geboren. Der Vorstandsvorsitzende der Initiative Studienstiftung des Ostens ist derzeit auch Psychologie-Doktorand an der TU Dresden in Zusammenarbeit mit der Harvard School of Public Health. Abbildung: Benjamin Jenak<\/p>\n<\/div>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>ostdeutschland.info: Richard, am 23. November knallten bei euch die Sektkorken. Was ist passiert?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><strong>Richard K\u00fcnzel:<\/strong> Wir haben einen gro\u00dfen Meilenstein erreicht. Nach \u00fcber einem Jahr Planung und Konzeption haben wir die \u201e<a href=\"https:\/\/studienstiftung-des-ostens.de\/\">Initiative Studienstiftung des Ostens<\/a>\u201c gegr\u00fcndet. Angefangen hat alles auf einer studentischen Veranstaltung w\u00e4hrend meiner Zeit an der Harvard University. Dort bemerkte ich zum ersten Mal, wie sehr die Struktur der Nachwuchsf\u00f6rderung am Osten vorbei geht und wie dringend wir ein ostdeutsches F\u00f6rderwerk brauchen. Nachdem ich Beatrice und Uli mit ins Team geholt hatte, haben wir unsere Idee fast ein Jahr lang in intensiven Gespr\u00e4chen herausfordern lassen. Unser Fazit: F\u00fcr eine erfolgreiche Zukunft des Ostens braucht es ein zus\u00e4tzliches, regionales F\u00f6rderwerk, das die hellsten K\u00f6pfe unserer Region vernetzt und unterst\u00fctzt. Wir arbeiten daran, dass das bald Realit\u00e4t ist. Die Initiative f\u00fcr das k\u00fcnftige F\u00f6rderwerk haben wir nun gegr\u00fcndet.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Wer geh\u00f6rt zum Vorstand, wer noch zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Zum Vorstand geh\u00f6ren neben mir die Co-Gr\u00fcnder Beatrice von Braunschweig und Uli Prantz sowie unsere Mentorin Kerstin G\u00fcnther, welche langj\u00e4hrige Erfahrung als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin und Aufsichtsr\u00e4tin aus dem Wirtschafts- und Forschungssektor mitbringt.<\/p>\n<p>Zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern z\u00e4hlen aber auch starke Unterst\u00fctzerinnen wie Christiane Kilian, Vorst\u00e4ndin der Stiftung f\u00fcr Technologie, Innovation und Forschung Th\u00fcringen, und Heike Kahl, die Gr\u00fcndungsgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Mit David Br\u00e4hler, Leiter des Vorstandsb\u00fcros der S\u00e4chsischen Aufbaubank, und Katrin Weymar haben wir Expertise aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor im Team. Hinzu kommen noch Prof. Dr. Raj Kollmorgen aus der Wissenschaft und der Jurist Philipp Hartewig.<\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Die drei Gr\u00fcnder der Studienstiftung des Ostens. Richard K\u00fcnzel, Beatrice von Braunschweig und Uli Prantz (von links nach rechts). Abbildung: Initiative Studienstiftung des Ostens e.V. i. Gr.<\/p>\n<\/div>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Was soll die Studienstiftung des Ostens einmal bieten?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Mit der Stiftung wollen wir den hellsten K\u00f6pfen unserer Region erm\u00f6glichen, sich zu echten Verantwortungstr\u00e4gern in der Region und f\u00fcr die Region zu entwickeln. Das geht am besten mit einem Stipendium w\u00e4hrend Studium und Ausbildung, denn ein Stipendium kann ein echtes Sprungbrett sein. Ich habe das selbst erlebt: Ich komme aus einem kleinen Dorf in Sachsen, bin dazu noch der Erste in meiner Familie, der studiert hat. Ohne Stipendium h\u00e4tte ich vermutlich nicht studieren k\u00f6nnen, geschweige denn an der US-amerikanischen Universit\u00e4t Harvard forschen. Doch solche Stipendien sind f\u00fcr Nachwuchstalente aus unserer Region nur schwer erreichbar. Mit der Studienstiftung des Ostens wollen wir ein Stipendienprogramm aufbauen, das junge Nachwuchstalente aus dem Osten Deutschlands w\u00e4hrend ihres Studiums finanziell unterst\u00fctzt, ihnen auch au\u00dferhalb des H\u00f6rsaals Workshops und Akademien zur Weiterentwicklung bietet und vor allem ein starkes Netzwerk aus aktuellen und zuk\u00fcnftigen Verantwortungstr\u00e4gern bildet.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Soll die Studienstiftung des Ostens nur f\u00fcr Ostdeutsche offen sein und wer w\u00fcrde ggf. als ostdeutsch gelten? <\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Wir wollen alle jungen und talentierten Studierenden f\u00f6rdern, die in und f\u00fcr unsere Region Verantwortung \u00fcbernehmen wollen. Das nimmt nat\u00fcrlich Nachwuchstalente in den Fokus, die aus der Region kommen. Doch es gibt auch so viele weitere junge Menschen, die sich bewusst f\u00fcr den Osten entscheiden und sich hier engagieren. Auch sie wollen wir mitnehmen, denn unsere Zukunft gestalten wir alle zusammen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Woher sollen die F\u00f6rdermittel kommen?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Am besten aus allen Sektoren der Gesellschaft, ma\u00dfgeblich aber von den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern. Denn traditionell werden die hellsten K\u00f6pfe einer Region aus Mitteln des Bundes bzw. der L\u00e4nder gef\u00f6rdert. Bayern macht es seit 20 Jahren beispielhaft vor: Das Elitenetzwerk Bayern ist ein F\u00f6rderwerk des dortigen Wissenschaftsministeriums. Der Grund ist: Stipendien brauchen eine langfristige Finanzierungssicherheit \u2013 das kann so in der Regel nur eine staatliche Finanzierung sichern. Die L\u00e4nder profitieren von dieser F\u00f6rderung langfristig auch am meisten.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Wie sieht euer Zeitplan aus?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Den ersten Schritt haben wir gemeistert \u2013 die Initiative mit einer gemeinn\u00fctzigen Vereinsstruktur steht. In den kommenden zwei Jahren bauen wir die Struktur der Stiftung auf und werben die Mittel f\u00fcr die k\u00fcnftigen Stipendien ein. Wir hoffen, dass wir ab 2028 die ersten Stipendiaten aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Es gibt Tausende Stipendienprogramme in Deutschland sowie 13 gro\u00dfe Begabtenf\u00f6rderungswerke. Warum braucht es da noch dieses?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Das stimmt, es gibt viele erfolgreiche Stipendienprogramme \u2013 allen voran die der 13 \u201eBegabtenf\u00f6rderungswerke\u201c. Das Problem ist: Diese F\u00f6rderwerke werden getragen von politischen Parteien, Wirtschaftsverb\u00e4nden oder Religionsgemeinschaften. Wir beobachten seit Langem, dass vor allem Parteien und Religionsgemeinschaften im Osten gesellschaftlich kaum verankert sind. Nachwuchstalente im Osten f\u00fchlen sich von diesen Institutionen und damit auch von ihren Nachwuchsf\u00f6rderprogrammen nicht angesprochen. Schon seit Jahren h\u00e4ngt die Zahl der ostdeutschen Stipendiaten hinter dem zur\u00fcck, was eigentlich gebraucht w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund ist: Es fehlen starke Netzwerke in der Region, die Talente untereinander und mit aktuellen Verantwortungstr\u00e4gern vernetzen. Und Netzwerke, die auf die Besonderheit der Region mit ihrer Geschichte und der Sozialisation ihrer B\u00fcrger eingehen. Das k\u00f6nnen etablierte Strukturen leider nicht in dem Ma\u00dfe leisten, wie wir es brauchen, um unsere Region nach vorne zu bringen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Warum ist ein Stipendium heute eigentlich so wichtig?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Weil es ein Leben sprichw\u00f6rtlich ver\u00e4ndern kann. Ich habe das selbst erlebt. Ohne Stipendium w\u00e4re ein Studium f\u00fcr mich nie m\u00f6glich gewesen , geschweige denn meine Promotion. Ein Stipendium erm\u00f6glicht die Freiheit zur Entwicklung \u2013 fachlich, aber auch pers\u00f6nlich \u2013 und den Blick \u00fcber den Tellerrand hinaus. Ein Stipendium ist eines der effektivsten Mittel, wie Talente zu echten Verantwortungstr\u00e4gern werden \u2013 die brauchen wir besonders im Osten zahlreich.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Wie bist du auf die Idee zu einer solchen Studienstiftung gekommen?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Entstanden ist die Idee w\u00e4hrend meiner Zeit in Harvard. Dort habe ich viele deutsche Stipendiaten getroffen, doch die kamen meistens aus M\u00fcnchen, Heidelberg oder Bonn. Stipendiaten aus Dresden, Leipzig oder Halle (Saale) habe ich selten getroffen. Dort habe ich zum ersten Mal verstanden, wieso ostdeutsche Talente so selten zu Spitzenpositionen kommen. Das Problem wurzelt bereits in der Nachwuchsf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Daraus ist die Initiative der \u201eStudienstiftung des Ostens\u201c entstanden \u2013 die Idee gab es aber schon einmal, wie ich sp\u00e4ter erfahren habe. Die Kommission \u201e30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit\u201c hat eine solche in ihrem Abschlussbericht 2020 gefordert. Doch umgesetzt wurde sie leider nie. Wir m\u00f6chten diese Forderung nun vorantreiben und umsetzen.<\/p>\n<div class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p class=\"wp-caption-text\">Das Logo der Studienstiftung des Ostens. Abbildung: Initiative Studienstiftung des Ostens e.V. i. Gr.<\/p>\n<\/div>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Es gibt gelegentlich Kritik an den Begabtenf\u00f6rderungswerken \u2013 sie schlie\u00dfen viele aus, reproduzieren bestehende Ungleichheiten und f\u00f6rdern vor allem den eigenen Nachwuchs \u2026 Wie steht ihr dazu?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Die Begabtenf\u00f6rderungswerke leisten eine wertvolle Arbeit, ohne die mancher Lebensweg nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Diese Struktur wollen wir weiter ausbauen und verhindern, dass die L\u00fccke zwischen Ost und West noch gr\u00f6\u00dfer wird, als sie bereits ist.<\/p>\n<p>Die F\u00f6rderung der hellsten K\u00f6pfe unseres Landes ist von Grund auf vielf\u00e4ltig und pluralistisch \u2013 diese Vielfalt wollen wir erweitern und ein starkes Netzwerk f\u00fcr unsere Region aufbauen.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Wie kann man euch unterst\u00fctzen?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Hilfe ist, unsere Mission zu teilen. Wir haben ein gro\u00dfes Ziel, doch erreichen k\u00f6nnen wir das nur gemeinsam. Das beginnt nat\u00fcrlich bereits mit der Finanzierung unserer Arbeit \u2013 2026 werden wir eine Crowdfunding-Kampagne starten und hoffen auf viele Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<h2><span class=\"title-bg\"><strong>Vielen Dank und viel Erfolg.<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><em>Die Fragen stellte Robert Nehring.<\/em><\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/mit-der-studienstiftung-des-ostens-durch-die-glaeserne-decke-richard-kuenzel-im-interview\/\">Mit der Studienstiftung des Ostens durch die gl\u00e4serne Decke: Richard K\u00fcnzel im Interview<\/a> erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/ostdeutschland.info\/\">ostdeutschland.info<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Basis f\u00fcr die in Gr\u00fcndung befindliche Studienstiftung des Ostens steht. 2028 sollen die ersten Stipendiaten aufgenommen werden. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Richard K\u00fcnzel. Richard K\u00fcnzel wurde 1996 im Vogtland (Sachsen) geboren. Der Vorstandsvorsitzende der Initiative Studienstiftung des Ostens ist derzeit auch Psychologie-Doktorand an der TU Dresden in Zusammenarbeit mit der Harvard School of Public Health. Abbildung: Benjamin Jenak ostdeutschland.info: Richard, am 23. November knallten bei euch die Sektkorken. Was ist passiert? Richard K\u00fcnzel: Wir haben einen gro\u00dfen Meilenstein erreicht. Nach \u00fcber einem Jahr Planung und Konzeption haben wir die \u201eInitiative Studienstiftung des Ostens\u201c gegr\u00fcndet. 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